Siebenjaehriger Krieg

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  • Unser Dorf im Siebenjährigen Krieg

Am 16. Januar 1756 hatten England und Preußen den Neutralitätsvertrag von Westminster abgeschlossen, in dem sich die beiden Partner verpflichteten, keiner fremden Macht den Einmarsch in Deutschland zu gestatten. Als Friedrich d. Gr. Anfang des Jahres 1757 durch die Niederlagen von Großjägersdorf und Kolin in eine bedrängte Lage geraten war, sollte sein rechter Flügel durch eine Armee seines Verbündeten, die in der Hauptsache aus Hannoveranern und Braunschweigern bestand, gedeckt werden. Sie stand unter dem Oberbefehl des Herzogs Wilhelm August von Cumberland und hatte die Aufgabe, französische Angriffe auf Hannover abzuwehren, das ja durch Personalunion mit England verbunden war. Am 26. Juli 1757 traten sich die Gegner bei Hastenbeck, südöstlich von Hameln, gegenüber. In falscher Einschätzung der Gefechtslage an der Obensburg, die in Wirklichkeit gar nicht so ungünstig für die Hannoveraner stand, befahl der Herzog von Cumberland den Rückzug und ließ sich von den Franzosen bis ins Bremen - Verdensche zurückdrängen.

Es kam zu der schimpflichen Konvention von Kloster Zeven, durch die die hannöversche Armee außer Gefecht gesetzt wurde. Nun stand dem Feinde das Hannöversche und Braunschweigische Land offen. Unser Dorf wurde durch fortgesetzte Durchmärsche mit den damit verbundenen kurzfristigen Einquartierungen und Kriegerfuhren, aber zeitweilig auch mit längeren Truppenbelegungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Wie es damals wahrscheinlich auch in unserem Dorf zugegangen ist, können wir aus einem ,,Pro memoria von dem Jahre 1757" aus der Feder des Bissendorfer Pastors Holtensen erkennen.

”Die Frantzosen waren schon rund um uns herum gezogen von Hannover nach Celle und von Celle nach Halberstadt, ehe wir einen von denselben zu sehen bekamen, außer der Sauve Guarde, namens Misseteau, welcher hierselbst von dem Amte aufgenommen wurde, zu deßen Bezahlung ich monathlich 5 Rthl. beitragen mußte. Diesen erhielten wir, wie die Frantzosen vor Hannover rückten. Übrigens blieben wir von den Frantzosen befreit biß d. 21. Okt., an welchem Dage ein stark commando einrückte. Bei mir kehrte ein Fehndrich namens Montfort ein, welcher sich aber gantz freundschaftlich bezeigete. Nachher hatten wir Ruhe bis an den 3. Advent 11. XII. Wir waren eben im begriff, in die Kirche zu gehen, nachdem eine Leiche zur Erde bestattet worden war. Wir sahen auf dem Kirchhofe die frantzösischen Regimenter ankommen, und ein jeder lief bestürtzt nach Haus. Dieser Sonntag war der erste, an welchem wir in unserm Gottesdienst gehindert wurden. Ich blieb aber von Einquartierung frei biß an den Mittwoch 14., an welchem der Bußtag vor Weihnachten hätte gefeiert werden sollen. An diesem Tage rückten 2 Regimenter Schweizer ein und ich bekam einen Obrist-Leutnant, nahmens Keller, der ein Regiment Schweitzer kommandierte. 2 Canonen standen auf meinem Hofe und 12 Fahnen in meiner Stube. Dieser Mann redete teutsch und war ungemein höflich. Des anderen Morgends marschirten sie wieder ab. Aber gleich darauf rückten andere wieder ein. Diese Abwechslung und Unruhe dauerte biß den Tag vor Weihnachten. Der Gottesdienst am 4. Advent 18.XII. mußte auch ausgesetzt werden. Die drey Festtage hatten wir Ruhe und feierten alle 3 Feiertage unter Furcht und Hoffnung. Am dritten Festtage ging unsere Unruhe, Furcht und Schrecken wieder an. Des nachmittags kamen frische Regimenter an. Wir blieben in der Unruhe und konnten vor dem 2. Sonntag post Epiph. 15.1.1758 keinen Gottesdienst wieder halten."

Im Frühjahr 1758 stieß Ferdinand von Braunschweig erneut vor, drängte die Franzosen über den Rhein und besiegte sie schließlich bei Krefeld. Von der französischen Südarmee musste er zwar bei Bergen, unweit von Frankfurt, eine Niederlage einstecken, aber am 1. August 1759 konnte er beide vereinigten französischen Armeen bei der Festung Minden entscheidend schlagen. Der Rest des Krieges bis zum Frieden von Paris 1763 berührte unsere Gegend nicht mehr direkt.

Das Amt Bissendorf übersandte am 11. Mai 1758 der Regierung zu Hannover folgende Schadensmeldung:

“...Pferde theils von denen Frantzosen mit Gewalt weggenommen, theils auch so auf dem Dienste aus Noth wegen Mangel an Lebensmitteln und Fourage, auch übeler Begegnung von den Fuhrleuten verlaßen und von den Franzosen mit weggenommen worden, wodurch die Unterthanen in die größeste Verlegenheit gesetzet sind...

...Ob nun wohl nach Maßgabe deßen eine ziemliche Anzahl Zugpferde wieder angeschaffet ist, damit der Acker cultivieret, und die Einscheuerung der nechsten Erndte verrichtet werden können, so hat doch der sehr theure Preiß der Pferde und Geldmangel veranlaßt, daß statt der verlohrenen gutentheils guten Pferde nur alte schlechte Pferde angeschaffet werden können, andere Unvermögende aber, so sonst zwei Pferde gehalten, sich mit einem vorerst und biß zu beßerer Zeit behelffen müßen...”

Mit großer Energie betrieb die Regierung in Hannover die Tilgung der Kriegsschulden. So wurde für 1763 den kontributionspflichtigen Bauern das 1 1/2-fache der schon seit längerer Zeit dreifach erhobenen Kontribution auferlegt. Der gleiche Satz galt auch für 1764. 1765 wurde der Steuersatz ermäßigt. Die Kriegssteuer ging aber bis 1776 weiter. Die Kirchen mussten sich mit ihren “liegenden Gründen” ebenfalls an den allgemeinen Kriegslasten beteiligen. *3

 

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