Die Gerichtsbarkeit

  • 700 Jahre von Elsenhusen bis Elze

Navigation

 

 
  • Die Gerichtsbarkeit

Richter war ein Gogreve später ein Vogt, der im Auftrage der Herzöge meistens in Mellendorf, ab 1560 in Bissendorf, in Ausnahmefällen aber auch in Elze oder anderen Ortschaften Gericht hielt. Symbol des Gogerichtes war das Schwert. Der Gogreve hängte sein Schwert an den Gerichtsbaum oder -pfahl. Bei schweren Straffällen wurde mit “gezogenem Schwert und Waffengeschrei” Anklage erhoben. Wenn der Angeklagte einer dreimaligen Aufforderung zum Erscheinen nicht Folge leistete, wurde er ,,verfestet”, d.h. geächtet und für vogelfrei erklärt. Aber auch die kleinen Streitfälle des bäuerlichen Lebens, ebenso Auflassungen von Grundbesitz usw. wurden vom Gogericht erledigt. Der Gogreve bzw. der Vogt waren nur die Gerichtsherren, die das Gericht im Auftrage des Landesherren ,,hegten”, eröffneten, leiteten und schlossen.

Um den Gerichtsbaum oder -pfahl wurde ein Platz abgesteckt, mit einer Schnur umspannt und unter erhöhten Friedensschutz gestellt, d.h. alle im Kreis begangenen Frevel wurden besonders streng bestraft. Dieses Ritual geschah nach uralten überlieferten Formen und Formeln. Im Gegensatz zu Körperverletzungen und Totschlag, die ziemlich milde geahndet wurden, galten Eigentumsvergehen als Verbrechen. Diebe und Einbrecher wurden erbarmungslos gehängt. Auch konnte eine ganze Ortschaft bestraft werden.

1488 heißt es: “6 g. vor walt de van Eltzen, wolden mynes heren jeger doth slan” (6 Gulden Strafe für die Elzer, weil sie meines Herren Jäger totschlagen wollten.) *3

1661: Curdt Michaeliß, Elze wird besprochen uf 9 rthl.

Beklagter gestehet der Schuldt. Zeiget hiebei an, daß weilen eß Sühnegeld, daß Beklagtenß Frauwen Mutter Vater von Christof Beckman Hinrichs Vater todt.(C.M. Elze wird zu 9 Reichsthalern verurteilt. Beklagter gesteht die Schuld. Erkennt das Sühnegeld an und daß er Beckman Hinrichs Vater getötet habe.)

Das ist der erste aktenkundige Mord (Totschlag) in Elze.

Bei Prügeleien, Messerstechereien und anderen Körperverletzungen wurden die Täter ins Bruchregister eingetragen und die Angelegenheit vor das Landgericht gebracht. Viel härter als Körperverletzung wurden Angriffe auf die Ehre eines Mitmenschen gewertet. Jemanden als “Schelm” oder eine Frau als “Hexe” zu bezeichnen, waren schwere Beleidigungen.

Ehebruch galt als Verbrechen, das nicht einmal der Großvogt auf dem Landgericht aburteilen durfte. Für Vorschüsse auf eheliche Freuden mussten außerordentlich hohe “Unzuchts-" und “Hurenbrüche” gezahlt werden. Noch 1618 musste ein unehelicher Vater 20 und die Mutter 10 lübische Gulden Strafe zahlen. Da hierdurch manchem jungen Paare ein großer Teil des Brautschatzes verloren ging, wurde die Höhe der Strafe später herabgesetzt. Die “Bademütter”, so hießen früher die Hebammen, hatten den strengen Befehl, einer unehelichen Mutter so lange die Hilfe bei der Entbindung zu verweigern bis sie den Namen des Vaters verraten hatte.

Strafbar machte sich auch jeder, der nicht zum Gottesdienst oder zum Abendmahl ging. Eine ganz andere Rolle als in der heutigen Rechtsprechung spielte der Eid, und zwar in der Form des sogenannten “Reinigungseides”. So fest war damals noch die religiöse Bindung der Menschen, dass der Richter darauf vertrauen konnte, kein Angeklagter würde es aus Furcht vor göttlicher Strafe wagen, einen Meineid zu leisten, bzw. kein Kläger, sich einen unberechtigten Vorteil zu verschaffen. *3

 

Home Nach oben Die Gerichtsbarkeit Rezession im 19. Jht. Moralvorstellungen Welfenlandkarte Die Reformation Koenigreich Hannover Immer wieder Krieg